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...mit dem größten Tauschring Südbadens!
Das Tauschsystem im spanischen Altea

hat und schon auf eine bewegte Geschichte blicken kann. „Es ist schwierig. Die Gemeinde macht nicht mit. Wir bekommen keinen Raum, keine Unterstützung,“ klagt Sabine Wohlwend, die als rechte Hand von Silvia Granda mit dieser seit einem Jahr „den ganzen Laden schmeißt.“ Anfangs war das anders. Die Gemeinde selbst hatte die Initiative auf den Weg gebracht, die Webseite bezahlt und auch noch Räume zur Verfügung gestellt. Aber mit der ökonomischen Krise habe sich auch das Klima insgesamt geändert und das Misstrauen gegenüber der alternativen Wirtschaft verstärkt. Da sie keine Gebühren in Euro verlangten, müssten sie jetzt sehen, wie sie die jährlichen 65 Euro für die Webseite auftreiben könnten. Ohne einen festen Raum seien auch „Gruppendynamik-Sachen“ schwierig, da man auf private Räume, Bars und Restaurants angewiesen sei, was nicht bei allen gut ankäme.
Dabei war das letzte Jahr von einer guten Entwicklung geprägt. Damals dümpelte die von der Gemeinde auf den Weg gebrachte Zeitbank etwas vor sich hin. Dann ergriff Silvia mit der Hilfe von Sabine die Initiative. info-stand10-2013-bAuf dem ökologischen Markt „Eco Altea“ waren sie mit einem Info-Stand vertreten und verteilten 200 Werbekopien, was zu vielen Neuanmeldungen und seither fast zu einer Verdopplung der Mitgliederzahl geführt hat. Als besondere Aktion konnten sie bei einer Themenwoche in die örtliche Schule kommen und die Zeitbank vorstellen, was die Jugendlichen sehr interessierte. Seit einiger Zeit gibt es ein monatliches Treffen, aber Vieles steht und fällt wie in Deutschland auch mit dem vorhandenen Engagement. So kommen zu den Versammlungen oft „dieselben vier Leute“ und von den Mitgliedern sind nur 30-40 wirklich aktiv. Da das Ganze nicht als Verein organisiert ist, kann man sich zwar im Netz leicht anmelden, aber manchen fehlt auch die Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit. So sei es schwierig „die Leute zu verpflichten“ und Vieles bleibe an den beiden Müttern hängen.
Altea liegt auf einem malerischen Hügel, der für seine blaue Kirchenkuppel über den schneeweißen Häusern berühmt ist, direkt an der Mittelmeerküste etwa zwischen Alicante und Valencia. Die ganze Region ist stark durch den Tourismus geprägt, wobei das benachbarte, aber durch eine Hügelkette getrennte Benidorm dafür ein (umstrittenes) Paradebeispiel ist. Die Mitglieder der „banco del tiempo de Altea“ kommen aus dem Bereich zwischen Xabia und Alicante. Dabei sind sicherlich die Hälfte Spanier, aber der Rest ist sehr gemischt und kommt z. B. aus England, Uruguay, Deutschland und anderen Weltgegenden. Dabei seien „Zugewanderte oft eher bereit, soziale Netze zu bilden“, während die Einheimischen häufig auf die gewachsenen Strukturen der Familie und des Dorfes zurückgreifen könnten. Sabine Wohlwend ist selbst 1996 aus Liechtenstein eingewandert, wo sie Grundschullehrerin war. In ihrer neuen Heimat lebt sie von Massagen und anderen Gesundheitsanwendungen und der Vermietung von Ferienwohnungen.
Durch die wirtschaftliche Krise haben die Tauschsysteme zwar etwas mehr Zulauf, aber die Lage wird dadurch nicht besser. „Im Moment ist es sehr heftig. Manche haben kein Geld die Stromrechnung zu bezahlen. In der letzten Zeit wurden etwa 8000 Menschen auf die Straße geschmissen.“ Es gibt kaum staatliche Unterstützung und nur die Caritas hilft etwas, wobei auch da die Gelder gekürzt werden. Sich selbständig über Wasser zu halten, ist auch kaum möglich, da man schon für eine Gewerbeanmeldung allein ca. 260 Euro monatlich bezahlen muss. Deshalb haben Geschäftsleute teilweise Angst vor dem Tauschring, da er mit Schwarzarbeit in Verbindung gebracht wird. Aber auch einfache Bürger sind oft zögerlich. „Manche denken, sie machen etwas Illegales.“ Dazu komme ein Motivationsproblem. Manchen wäre es auch unangenehm, Fotos von Angeboten auf die Facebook-Seite zu stellen. Und ein Mitgliedsbeitrag zur Lösung des Finanzproblems käme auch nicht in Frage. „Das ist hier schwierig. Alles über zehn Euro ist viel Geld.“ So dass der Eindruck verbleibt, dass die Zeitbanken in Spanien zwar wichtig sind und auch als Netzwerke Hilfe leisten und Freundschaften stiften, dass Ihnen aber gesellschaftlich und von staatlicher Seite noch eher skeptisch begegnet wird.kirche la mare de du del consol
Die Organisation ist ansonsten einfach. Über die Webseite kann man sich ganz leicht anmelden. Wie in Zeitbanken üblich läuft die Verrechnung nur über Stunden. Anfangs erhält man 10 Stunden, mit denen man lostauschen kann. Bei 0 ist Schluss, da es keinen Kredit gibt. Das Maximum beträgt 20 Stunden. Viele hätten allerdings Probleme, da sie zu viele Stunden sammelten und sie nicht ausgeben könnten oder wollten (aber auch zum Verschenken keine Lust hätten). Dabei wird dem bei der Anmeldung entgegen gewirkt, indem man erst fünf Bedürfnisse angeben muss, bevor man seine Angebote eingeben kann. Die Anzeigen können auf der Webseite anonym eingesehen werden. Die Offerten sind relativ gemischt. So gibt es viel im Gesundheitsbereich, Backwaren, Handwerkliches, aber auch eine Menge Konversationskurse, Künstlerisches und Kinderbetreuung usw. Für manche Nachfragen wie für die Reinigung eines Schwimmbades seien aber nur schwer Leute zu finden. Neben der Zeit können Kosten wie für Benzin oder die Zutaten für eine Paella auch in Euro verlangt werden.
In Spanien gibt es etwa 300 Zeitbanken, die regional unterschiedlich organisiert sind. Die Abwicklung über das Internet und die grundsätzlichen Regeln sind aber meistens gleich, da sie gegen die erwähnte Gebühr auch zentral für alle Zeitbanken zur Verfügung gestellt werden. Besonders innovativ sind offenbar die Region Bilbao und etwas nördlich von Altea Gandia, wo es auch ein Regionalgeld gibt, so dass auch in Bars und Cafes mit einer alternativen Währung bezahlt werden kann. Zuletzt fand dort ein Treffen mit 35 Teilnehmern statt, bei dem überlegt wurde, wie die lokalen Zeitbanken ihre Aktivitäten und den Austausch untereinander verbessern können, was aber schwierig ist, da die „Zeit-Währungen“ teilweise unterschiedlich berechnet und benannt werden. Informiert Euch also frühzeitig über die örtlichen Zeitbanken, wenn ihr nach Spanien reist und prüft, was ihr dort tauschen oder wie ihr uns berichten könnt. Falls ihr in die Gegend von Altea kommt, könnt ihr eventuell mit Sabine Wohlwend über Tauschmöglichkeiten sprechen (auf Deutsch). Sie bietet ein größeres Haus mit Swimming Pool, das auch schon von Freiburger Therapeuten für Seminare genutzt wurde. Eventuell kann auch ein Teil der Miete in Zeit abgerechnet werden. Das Interview mit Sabine habe ich zu Ostern 2014 geführt.
Links zur Zeitbank in Altea und allgemein in Spanien und zum Ferienhaus von Sabine Wohlwend:
http://www.bancodeltiempodealtea.com/
https://www.facebook.com/bancodeltiempodealtea.altea?fref=ts
http://bancosdetiempo.com/
http://www.aktiveferien.com/
Romin Hartmann