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Alterssicherung auf Talentbasis

Wie die Bundesregierung das Problem der sinkenden Beitragszahler, außer der im Jahr 2007 beschlossenen schrittweisen Anhebung der Regelaltersgrenze von 65 auf 67 Jahre bis zum Jahr 2029, lösen wird, wissen wir nicht, jedoch kommt in Anbetracht des demographischen Wandels bei zunehmenden chronischen Erkrankungen eine immer größer werdende Versorgungslücke auf uns zu. „Daher muss in Zukunft in größerem Maße als bisher privat vorgesorgt werden.“ (http://www.foerderland.de/itoffice/personal/talent-management/demographischer-wandel/die-auswirkungen-auf-die-sozialen-sicherungssysteme/)

 

Rudi Eichenlaub hat sich darüber schon viele Gedanken gemacht und die Zeitbank plus gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, durch Pflege gemeinschaftlicher Interessen, sich gegenseitig insbesondere im Alter zu unterstützen. Durch regelmäßige Treffen und räumliche Nähe der Mitglieder vertiefen sich die persönlichen Beziehungen untereinander immer mehr, so dass ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, wo jeder dem anderen gerne hilft. Es können durch getätigte Hilfeleistungen Pluspunkte gesammelt werden, die zu einem späteren Zeitpunkt zur eigenen Unterstützung wieder „eingelöst“ werden können. Es sollen allerdings keine Pflegeleistungen ersetzt werden, die den organisierten Pflegediensten obliegen, sondern diese im kleineren Rahmen, man kann sagen als praktizierte Nächstenliebe, ergänzt werden.

 

Dieses System beinhaltet keine Umlaufsicherung, da das Ziel ist, erst in Zeiten der eigenen Bedürftigkeit die erworbenen Pluspunkte wieder auszugeben.

 

Mich hat schon lange die Frage beschäftigt, wie man den Aspekt einer Altersvorsorge auch im Talent-Tauschring verwirklichen könnte. So kam mir der Gedanke, dass die Einführung einer Alterssicherung die „fehlende Lücke“ ist, um auch andere Probleme, die wir gerade bezüglich des Tauschverhaltens unserer Mitglieder haben, lösen zu können. Wie das gehen kann, möchte ich jetzt gerne darstellen.

 

Von den Mitgliedern des Talent-Tauschrings wird immer wieder geäußert, dass sie die eingenommenen Talente nur schwer ausgeben können, weil sie nicht das finden, was sie benötigen. Folglich werden sie aufgespart, um sie zu einem späteren Zeitpunkt auszugeben, entweder in der Hoffnung, dass das Angebot sich in der Zwischenzeit erweitert oder dass sich die eigene Bedürfnisstruktur ändern könnte. Dieses verständliche Verhalten blockiert jedoch den „Geldfluss“. Die Umlaufsicherung versucht nun, als Nimm-Erinnerung das Aufsparen oder Horten zu verhindern. Das könnte Anlass zu weiteren Frustrationen geben, da von den Mitgliederkonten regelmäßig ein Teilbetrag abgezogen wird.

 

Seit Anfang des Jahres wurde deshalb im Talent-Tauschring die Möglichkeit eingeführt, auf Antrag, für einen bestimmten Zweck Ansparungen vornehmen zu können, die nicht der Umlaufsicherung unterworfen sind. Dieser Zweck könnte nun auch eine Rückstellung im sinne einer Alters- und Krankheitsvorsorge sein. Welche Rahmenbedingungen dabei geschaffen werden müssten, wäre noch zu überlegen.

 

Eine zweite Möglichkeit bestünde darin, ein gemeinschaftliches Spendenkonto für den Zweck einer Alters- und Krankheitsvorsorge einzurichten. Ein ähnliches Spendenkonto wurde kürzlich zu dem Zweck geschaffen, Kontoausgleichszahlungen für ausscheidende Mitglieder gewähren zu können.

 

Man könnte die Regel festlegen, dass ein Mitglied, einen Anspruch auf eine spätere Unterstützung aus diesem Konto hat und zwar in der gleichen Höhe, wie er in früheren Jahren eingezahlt oder gespendet hat. Die Spenden sind ja durch die Überweisungsaufträge dokumentiert worden, so dass eine Rücküberweisung auf Antrag des Mitgliedes bei Bedarf kein Problem sein dürfte. Es könnte auch eine Spendenquittung ausgestellt werden.

 

Da das Spendenkonto der Art nach ein Gemeinschaftskonto ist, würde der Minusbetrag in der Summe aller Gemeinschaftskonten deutlich sinken, was zu einem ausgewogenen Verhältnis von Gemeinschaftskonten und Mitgliederkonten beitragen würde.

 

Durch den erworbenen Anspruch bezüglich einer Alters- und Krankheitsvorsorge durch Spenden auf das „gemeinschaftliche Versorgungskonto“ würde zudem die Fluktuationsrate der Mitglieder sinken, da sie bei eigenem Bedarf bzw. eigener Bedürftigkeit auf eine Unterstützung durch die Gemeinschaft rechnen können.

 

Wenn jemand keinen Anspruch bezüglich einer Alters- und Krankheitsvorsorge erworben hat, könnte trotzdem aus dem Spendenkonto Hilfeleistungen für Hilfsbedürftige bezahlt werden. Die Finanzierung ergibt sich aus den nicht eingelösten Ansprüchen auf Unterstützung, die dann als Spende den Hilfsbedürftigen zukommt.

 

Ein wichtiges Ziel für den Aufbau einer gemeinschaftlichen Alters- und Krankheitsvorsorge wäre somit die Ausweitung entsprechender Hilfs- und Pflegeangebote durch neue Mitglieder. Ein Anreiz für die Werbung von potentiellen Mitgliedern aus dem Pflegebereich könnte dabei der Erhalt der „professionellen Mitgliederwerbeprämie“ sein. Weiterhin hatte ich schon in meinem Artikel über „Zukunftsperspektiven“ in der 20-jährigen Jubiläumsausgabe der MZ angeregt, die Mitgliederwerbeprämie generell zu erhöhen, um für die Tauschring-Mitglieder mehr Motivation zu schaffen, weitere Interessierte in den Talent-Tauschring zu bringen. Damit könnte die Angebotspalette sowohl in Hinblick auf eine Alters- und Krankheitsvorsorge zügig erweitert werden, als auch darauf, dass jeder das findet, was er braucht.

 

Roland Sell, MZ 3/2014

Bildnachweis: Statue in Uniklinik Freiburg,

von user:Joergens.mi (Eigenes Werk)

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